Falsche Hilfsbereitschaft
RTL zeigt im Zuge der alljährlichen Spendenaktion "Wir helfen Kindern" XY- und Z-Prominente, die trotz ihrer prall gefüllten Konten, wahrscheinlich noch in Lichtenstein eröffnet, Zuschauer auf arme kleine Kinder aufmerksam machen wollen und zur großzügigen Spende aufrufen. Man sieht, wie sie sich hingebungsvoll engagieren - und das tun sogar unentgeltlich! Was wir vor der Glotze nicht sehen ist der Ferrari, Porsche, Mercedes-Benz oder ein Privatjet beim Drehort, der die Frau- und Herrschaften wieder zurück in ihre wohlbehütete 86 Zimmer Villa zurück bringt.
Währenddessen wird bei uns kleinen Leuten mit Kontoständen von maximal fünf Stellen, die ein Auto 20 Jahre lang abbezahlen müssen, damit wir überhaupt einmal eines haben, ein schlechtes Gewissen generiert. Wir haben doch alles: Einen warmen Arsch auf einer 4.000 € Wohnlandschaft, einen 55" LED-3D-Fernseher und jeden Tag einen reichlich gedeckten Esstisch, um uns voll zu fressen, damit wir es anschließend auf dem Hometrainer mit angelegtem Kalorienzähler abtrainieren können.
Also warum nicht für diese Kinder spenden? Ein kleiner Betrag tut doch nicht weg! Die Prominenten müssen doch wissen, wie schlimm es vor Ort ist. Und die Fakten, die sie uns nennen, lassen sich nicht leugnen: "Jeden Tag sterben 25.000 Kinder, weil sie nichts zu essen haben. Wir müssen etwas dagegen tun!".
Wir?
Ist es denn bereits eine Spende, die Botoxfresse in die Kamera zu halten und irgendeinen auswendig gelernten Satz ins Mikrofon zu rülpsen? Nein! Daran ändert sich auch nichts, wenn ich bei Wikipedia lese, dass im Zuge der RTL-Aktion jeder Akteur auf seine Gage verzichtet und es somit unentgeltlich macht. So ein Schwachsinn. Täglich kassieren diese selbsternannten Prominenten, die nur noch aufgrund von (erfundenen) Skandalen, womöglich in Kooperation mit der BILD, überhaupt noch in den Medien sichtbar sind, Gehälter, die unsereins nicht einmal innerhalb eines Jahres verdient. Und wohin geht das Geld? Partys, Autos, Yachten,... .
Reichtum ist in unserer Gesellschaft dauerhaft präsent und war das auch in der Vergangenheit nicht anders. Doch eines hat sich geändert: Damals standen die "Reichen und Schönen" nicht vor der Kamera und haben uns Bürgern eine traurige Geschichte erzählt und uns zu Spenden aufgerufen. Doch was geben die Prominenten, wenn man von der 'ehrenamtlichen Arbeit' absieht? Wir wissen es nicht. Aber seien wir mal ehrlich: In Zeiten der Selbstinszenierung würden wir doch von den hingebungsvollen Spenden erfahren. Heute macht doch niemand mehr etwas ehrenamtliches und soziales, ohne die Begleitung eines Kamerateams oder Fotografen. Es muss sich ja für den eigenen Wohlstandsarsch lohnen, Geld auszugeben! Das gute Gefühl, für andere etwas getan zu haben, existiert in der Upper Class schon lange nicht mehr.
Aber was ist mit RTL? RTL, der Inbegriff der Scripted Reality und bester (einziger?) Freund der Asozialen. Ich bin mir unsicher, was schlimmer ist: Die Prominenten, die wie eine Horde Nutten ihre Visage verkaufen und sich tief bücken, damit noch mehr Geld und Ruhm darin landet, oder der Sendern, der mit der Aktion seine eigene Inkompetenz zu kompensieren versucht. Wäre es nicht an der Zeit für den Kölner Hexenkessel der Unterschichtenunterhaltung, in den Spiegel zu sehen? Denn ein informatives, interessantes und sinnvolles Programm lockt mehr Zuschauer, wodurch die Werbeeinnahmen steigen würden, sodass RTL von der Gewinnzunahme kontinuierlich Geld anlegen könnte, welches in der Weihnachtszeit in einer pompösen und selbstverherrlichenden Show an Hilfsorganisationen übergeben wird.
Ich weiß, ich bin naiv. RTL wird niemals sein Programm ändern und uns weiterhin aufrufen, Geld zu spenden. Und "unsere" Promis werden weiterhin auf die Knie gehen, um sich zu prostituieren. Und so lange das Programm gesehen, die Bild gekauft und die Emanzenzeitschrift gelesen wird, ändert sich daran nichts. Es liegt also mal wieder an uns etwas zu tun: Spenden oder Boykottieren. Für was entscheidest Du dich?
-AH-
verrueckte-welt am 24. November 11
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren